Studierende aus Lemgo und die Paderborner Polizei haben drei weitere Videos produziert, die es in sich haben. Nach dem Einbrecherdreikampf, der die Odins-Besucher regelmäßig schmunzeln lässt, geht es jetzt um das Thema Ablenkung im Straßenverkehr. Ganz klar: Die drei neuen Vorfilme werden wechselweise im Odins gezeigt. Denn wer sich ablenken lässt, ist sofort im Blindflug – und der kann böse enden…
Studien und Analysen bestätigen, was fast Jeder beim Autofahren schon erlebt hat. Immer häufiger wird während der Fahrt das Handy bedient. Sei es um zu telefonieren, um Nachrichten zu lesen oder zu schreiben oder um es als Navigationsgerät zu benutzen. Obwohl das Unfallrisiko während dieser Zeit erheblich steigt, wird das Problem häufig verharmlost.
Neben verstärkten repressiven Maßnahmen, möchte die Kreispolizeibehörde Paderborn vor allem durch Aufklärung dazu beitragen, dass die Verkehrsteilnehmer für die Gefahren sensibilisiert werden und hat in Zusammenarbeit mit der Kreispolizeibehörde Lippe und Studierenden der Hochschule Ostwestfalen-Lippe aus Lemgo drei Videospots produziert, die das Problem Ablenkung durch das Handy deutlich machen.
Die Videos werden jetzt zu Schulungszwecken der Polizei landesweit eingesetzt, sollen aber auch in verschiedenen Medien und für unterschiedliche Zielgruppen genutzt werden.
Genaue Daten, wie häufig Ablenkung als Unfallursache in Frage kommt, gibt es nicht, weil sich, im Gegensatz zu anderen Unfallursachen, Ablenkung durch das Smartphone durch die Polizei häufig nicht feststellen lässt. Eher selten gibt ein Unfallbeteiligter freiwillig zu, vor dem Unfall beispielsweise durch den Blick auf das Handy oder das Navi abgelenkt, gewesen zu sein. Es muss von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden. Schätzungen zu Folge dürfte bei mindestens jedem fünften Unfall einer der Unfallbeteiligten in irgendeiner Form abgelenkt gewesen sein. Bislang werden nur bei besonders schwerwiegenden Unfällen beweissichere Maßnahmen getroffen, um Ablenkung als Ursache des Unfalls nachzuweisen.
Etwa 90 Prozent der Informationen, die wir beim Autofahren verarbeiten müssen, nehmen wir als Momentaufnahmen über unsere Augen wahr. Ohne diese Bilder wären wir praktisch im „Blindflug“ unterwegs. Schon das Fahren bei Dunkelheit oder schlechter Sicht, wegen Regen oder Nebel, schränkt unsere Wahrnehmung erheblich ein, so dass wir nur mit reduziertem Tempo fahren dürfen, um noch sicher unterwegs sein zu können.
Bei der Benutzung des Handys wird der Blick komplett von der Fahrbahn genommen und auf das Display gelenkt. Das bedeutet, dass wir je nach Geschwindigkeit zum Teil große Strecken zurücklegen ohne sehen zu können, was vor und neben uns auf der Straße passiert.
Schaut man im Stadtverkehr bei Tempo 50 nur für zwei Sekunden auf das Handy, beispielsweise um zu schauen wer eine Nachricht geschickt hat, werden in dieser Zeit fast 30 Meter im Blindflug zurückgelegt!
Fast 30 Meter in denen man nicht sieht, ob gerade in dieser Zeit ein Kind vor das Auto läuft oder der Vorausfahrender abbremst. Situationen bei denen man normalerweise noch hätte rechtzeitig reagieren können, enden dann mit einem Verkehrsunfall.
Untersuchungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. im Jahr 2015 haben über die physikalischen Erkenntnisse hinaus die Beeinträchtigung bezogen auf das Fahrverhalten mit den Auswirkungen nach Alkoholgenusses verglichen und sind dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Zeit in der man abgelenkt ist durchaus mit bestimmten Alkoholisierungsgraden vergleichbar ist.
„Das Senden von SMS, die Titelsuche bei Musikplayern und das Telefonieren sind, bezogen auf das Ausmaß der Beeinträchtigung, vergleichbar mit einem Alkoholisierungsgrad von 0,8 Promille. Die Bedienung von Navigationssystem und Telefon und das Schreiben von SMS entsprechen, bezogen auf die signifikanten Befunde, einem Alkoholisierungsgrad von 1,0 Promille!“
Auch wenn bei der Beurteilung der tatsächlichen Gefährlichkeit die zeitliche Dauer mit einbezogen werden muss, machen diese Vergleiche doch deutlich, welche Risiken von der Ablenkung ausgehen. Die Polizei rät: Be smarter than your phone!
Durch die Hochschule Ostwestfalen Lippe wurden die Videos auch auf Youtube eingestellt:
Messenger – Ablenkung beim Fahren
https://www.youtube.com/watch?v=B6ATcuL9Ehk
Musik – Ablenkung beim Fahren
https://www.youtube.com/watch?v=oTS6rQn-QF8
Navi – Ablenkung beim Fahren
https://www.youtube.com/watch?v=B4P3CX1dfA8