Odins Filmtheater hat am 14. August seinen 40.000 Besucher begrüßt. Die Überraschung war groß für Inge Rinaldo (84) aus Hannover, als sie die Vorstellung „Der Klavierspieler vom Garde du Nord“ besuchte. Beim Kauf der Eintrittskarte im Wert von 6 Euro zeigte die laufende Ticketnummer die magische Zahl „40.000“ an. Frau Rinaldo urlaubte als Kurdame zum sechsten Mal in Bad Lippspringe im „Haus Waldfrieden“. Odins Vorsitzender Ottokar Fischer gratulierte dem Jubiläumsgast und überreichte ein Wohlfühlpaket für zwei Personen mit Freikarten und Piccolo als besonderen Gruß.
Das
passte genau, denn die Jubiläumsbesucherin kam auf Anregung ihrer
Mitreisenden Erika Zimmermann (80) in Odins Filmtheater. „Meine
Freundin wollte unbedingt den „Klavierspieler vom Gare du Nord“
sehen“, sagte Inge Rinaldo. Die Geschichte eines unentdecktes
Musiktalents aus einer Pariser Sozialsiedlung ist typisch für das
Programm im Odins. Menschliche Schicksale, französische Komödien
und deutscher Film sind ein Markenzeichen des ehrenamtlich geführten
Kleinkinos an der Lippequelle.
Der Bad Lippspringer Filmemacher Peter Schanz spürt mit mehr als 50 Komparsen und Helfern heimischen Sagen und Legenden nach. Ein sehenswertes Stück Heimatgeschichte.
„Das ist Hitchcock pur“, schwärmt Peter Schanz (73), wenn er über den Messerkerl-Mord von 1752 spricht. Ein Dutzend historische Tatorte und Sagen aus Ostwestfalen-Lippe fügt der professionelle Filmemacher gerade zu einem abendfüllenden Kinostreifen zusammen. Im November ist Premiere für „Mystische Orte – Mörderische Geschichten. Spurensuche in Ostwestfalen-Lippe“.
Rast in der Egge, wo der Messerkerl 1752 einen grausigen Tod fand. Ein Wegelagerer soll ihm flüssiges Zinn in den Mund gegossen haben. Herbert Gruber und Michael Vockel-Böhner, die durch den Film führen, lassen sich ein Bier schmecken.
Noch heute erinnert ein düsteres, halbzerbrochenes Wegekreuz zwischen Altenbeken und Bad Lippspringe an den fahrenden Messer- und Hauswarenhändler Albert Meijer. Der Münsterländer hatte in Paderborn gute Geschäfte gemacht. Ein am Wegesrand versteckter Baldowerer witterte fette Beute, als Meijer auf der 400 Meter hohen Voregge sein Nachtlager aufschlug. Flüssiges Zinn soll der Raubmörder seinem Opfer in den Rachen gegossen haben. Nach wenigen Schritten tritt er selbst in ein ausgelegtes Fußeisen, um nach einem teuflischen Veitstanz tot zusammenzubrechen.
„Keine
Sage ohne Moral von der Geschicht'“, sagt Anke Schanz (54). Sie
leitet mit ihrem Mann die Produktion, kleidet und dirigiert ein Heer
von 50 Komparsen sowie Helfern und versucht die Gesamtkosten des
Low-Budget-Films unter 40.000 Euro zu halten. Auf der Bildreise vom
Kaiser-Wilhelm-Denkmal und von den alten Windmühlen im Norden bis
zum Desenberg im Süden bei Warburg finden sich, so Peter Schanz,
„mystische Orte und Schauplätze grausiger Freveltaten in Hülle
und Fülle.“ Ein Drache soll den erloschenen Vulkan über der
Warburger Börde solange bewohnt haben, bis ein listenreicher Ritter
mit drei Spiegeln auf seinem Schild das Monster besiegte – und das
westfälische Geschlecht derer von Spiegel begründete.
Die Paderborner Geisterprozession als schwarz-weiße Spielszene. Filmkomparsen sind die traditionsreichen Träger des Liborischreins, den nur sie dürfen die Originalrequisite tragen.
Schanz
hebt mit dem Film „einen großen Sagenschatz dicht vor unserer
Haustür“. Und schon kommt er voller Begeisterung auf eine der
fünf wichtigsten Paderborner Erzählungen zu sprechen. Denn auch
hinter dem Dom ruht am Grunde eines Brunnens angeblich ein
sagenhafter Schatz. Die zugehörige „Paderborner
Geisterprozession“ hat Schanz gerade abgedreht. Seine Komparsen
sind im richtigen Leben die traditionsreichen Träger des
Liborischreins, der im Film als Originalrequisite dabei ist. Bereits
mehrere Produktionen rund um die Bischofskirche öffneten dem
Filmemacher manch verschlossene Tür.
Weitere
Motive sind die Hexen von Barntrup mit Lemgos Hexenbürgermeisterhaus,
die Hermanns-Denkmal mit originalgetreu gerüsteten römischen
Legionären sowie das Grab von Sachsen-Herzog Widukind in der
Stiftskirche von Enger. Schanz: „Anhand
des martialischen Reiterdenkmals in Herford würdigen wir auch die
heroische Gegenwehr der Sachsen während der
Christianisierungs-Kriege der Franken“.
Dabei fehlt nicht, wie Karl der Große zuerst die sagenhafte Irminsul
vernichtete. Das germanische Heiligtum — vermutlich bei Bad Driburg
– wird ein Raub der Flammen – gedreht bei einem Osterfeuer in diesem
Jahr.
Trunkenbolde mussten den „Bachstüpp“ im östlichen Westfalen fürchten. Die Sagengestalt lauerte späten Zechern auf und prügelte sie angeblich zur Vernunft.
Die
aufwändigen in schwarz-weiß gezeigten Spielszenen etwa vom
„Bachstüpp“, der die Trunkenbolde prügelt, sind
eingebettet in farbenprächtige Landschafts- und Naturaufnahmen.
Herbert Gruber und Michael Vockel-Böhner führen als Schlaumeier und
Skeptiker durch den Film. Die zwei Laiendarsteller sind den
Zuschauern aus Schanz‘ letztem Kinostreifen über den Wildschütz
Klostermann bekannt.
Der junge Mönch Marcword findet eine den Tod verheißende „Lilie von Corvey“ auf seinem Chorstuhl. Kurzerhand legt er sie auf den Sitz des alten Bruders Weribald.
Die
Legende um die weiße Lilie von Corvey, von den Brüdern Grimm in den
deutschen Sagenschatz aufgenommen, ist zweifellos ein Höhepunkt der
Produktion. Die prächtige Blüte soll, so erzählt eine Ballade von
Gisbert von Vincke, den Tod eines Mönches drei Tage vor dessen
Ableben ankündigen. Als ausgerechnet Novize Marcword von Spiegel die
Blume auf seinem Chorstuhl findet, schiebt er sie kurzerhand auf den
Sitz des hochbetagten Bruders Weribald. Der Alte erleidet zwar einen
Schwächeanfall, aber am Ende stirbt der junge Mönch trotzdem. Anke
Schanz: „Das lehren uns die Mythen und Legenden unserer
Vorfahren: Gott pfuscht niemand ins Handwerk.“
Unser Partnerkino in Schloß Holte-Stukenbrock hat ebenfalls den von Odins-Filmtheater unterstützten Film „Seyfo 1915“ vor einem interessierten Publikum aufgeführt: Die Dokumentation über den Völkermord an den Assyrern im Ersten Weltkrieg war vor zwei Jahren bereits in Bad Lippspringe auf großes Interesse gestoßen. Die Zuschauer konnten mehr ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Osmanischen Reichs erfahren. Mitwirkende Schamiram Ayaz stand in der anschließenden Diskussion für Fragen und Antworten zur Verfügung.
Sie war 2014 mit dem Filmemacher Aziz Said in die Südosttürkei gereist – und mit einer international anerkannten Kinodokumentation zurückgekommen. Im schwedischen Fernsehen in den Niederlanden und in deutschen Kinos hat der abendfüllende Streifen bereist zahlreiche Zuschauer gefunden. Frau Ayaz besucht auf der Tour die Stätten eines lange verschwiegenen Genozids.
Während die Türkei den Tod von 1,5 Millionen Armeniern, Assyrern, und Griechen -die Zahl nennt der deutsche Bundestag – mit allen Mitteln infrage stellt, spricht die Deutsche mit assyrischen Wurzeln Klartext: „1915 wurde in Istanbul der Völkermord an meinem Volk politisch entschieden, geplant und systematisch in der ganzen Türkei durchgeführt.“ Im Film erzählt eine europaweite Enkelgeneration ihre ganz privaten Geschichten. In einer Familie starben neun, in einer anderen 15 Mitglieder bei der Christenverfolgung durch türkische Soldaten und kurdische Stämme. Auf Todesmärschen verschwanden Väter und Onkel. In Lagern wurden Mädchen und Frauen erst missbraucht und dann in den Tigris geworfen.
Es sei nicht einfach gewesen in aller Sachlichkeit die harten Fakten vorzutragen, erzählt Frau Ayaz. „Im Film musste ich stark bleiben“. Die Tränen kamen oft, wenn die Kamera schon aus war. Am erschütterndsten waren für sie die Aufnahmen in einem Tal, in dem das „Bataillon der Schlächter“ unter dem gefürchteten General „Halil Bey“ Hunderte Männer hinrichtete.
„Die traten auf wie die SS-Totenkopf-Verbände in Russland“ bestätigt die deutsche Historikerin Gabriele Yonan. Nicht die heutige Türkei, sondern das mit dem deutschen Kaiserreich verbündete Osmanische Reich entschied am 24. April 1915 die gezielte Auslöschung von Christen. Man warf ihnen Kooperation mit dem Kriegsgegner Russland vor. Ausgerechnet Deutschland hatte seinen Verbündeten in Konstantinopel zu einem Dschihad (Heiligen Krieg) aller Muslime gegen Frankreich, England und Russland geraten. Damit macht der Film auch die deutsche Verstrickung in den Massenmord deutlich.
Schamiram Ayaz, die in Niedersachsen und Westfalen heimisch gewordene Enkelin, setzt auf Versöhnung: “Wir zeigen nicht mit dem Finger auf die Türkei, aber alle müssen zur ihrer Geschichte stehen.“ Unvergessen bleibt für sie eine im Film nicht gezeigte sehr private Szene direkt an einem Tatort: Wie ein Nachkomme der Haupttäter ebenfalls Versöhnung wünscht und man sich tief berührt umarmt.
Der Filmclub Bad Lippspringe hat im Januar sein 50-jähriges Bestehen in Odins Filmtheater gefeiert. Vorsitzender Manfred Friedrich erinnerte dabei an die Gründung 1969 durch Hans-Walter Horst und elf Mitstreiter als Schmalfilmclub im damaligen Cafe Meyer gegenüber der Sparkasse. Eine Goldmedaille samt Ehrenurkunde gab es vom Verband deutscher Filmautoren.
Zwei Gratulanten und ein Jubilar: Bürgermeister Andreas Bee (links) und Odins-Vorsitzender Ottokar Fischer (rechts) gratulieren Manfred Friedrich zum 50-jährigen Bestehen des Filmclubs Bad Lippspringe
Eine goldene „50“ mit Siegerkranz zierte das Modell einer historischen Analogfilmkamera, das Odins-Vorsitzender Ottokar Fischer dem Filmclub als besonderes Geburtstagsgeschenk überreichte. Gemeinsam mit Bürgermeister Andreas Bee dankte Fischer für die gute Zusammenarbeit. Manfred Friedrich zeigte sich seinerseits angetan davon, dass der Filmclub bei Wettbewerben die Kinotechnik nutzen kann. Der Filmclubchef: „Wir haben hier nicht nur einen tollen Kinosaal, sondern auch eine perfekt eingemessene Licht- und Tontechnik.“ Das sei eine wichtige Basis für die faire Bewertung von Festivalbeiträgen.
Odins Filmtheater meldet als einziges Kino in der Region steigende Besucherzahlen für 2018. Radio Hochstift berichtete nach einer Umfrage in den Kreisen Paderborn und Höxter von einem „schwierigen Kinojahr“. Der extrem heiße Sommer und die Fußball-WM führten bundesweit zu Rückgängen von bis zu 15 Prozent. Das Cineplex-Kino in Warburg und das Pollux in Paderborn erlebten weniger tiefe Einbrüche, kamen aber nicht ungeschoren davon. Die UCI-Kinowelt machte gegenüber Radio Hochstift gar keine Angaben. Einzig Odins Vorsitzender Ottokar Fischer konnte auf Befragen des Lokalradios von 3,5 Prozent Zuwachs berichten – wenn auch auf vergleichsweise niedrigem Niveau.
„Der Mann aus dem Eis“ mit Jürgen Vogel – Zuschauersieger 2018
Die Zuschauerzahl der meist freitags und mittwochs aufgeführten Filmen stieg von 2601 auf 2693. Mit 168 Zuschauern belegte „Der Mann aus dem Eis“ den Spitzenplatz. Interessant: Die rekonstruierte Geschichte der „Ötzi“ genannten 5200 Jahre alten Gletschermumie stand in Paderborn zunächst gar nicht auf dem Spielplan. Bundesweit lief der Film mit Jürgen Vogel in der Hauptrolle nur in Programmkinos wie etwa dem Bielefelder „Lichtwerk“.
Odins-Vizevorsitzender Reinhard Brockmann: „Der Erfolg bestätigt unsere Linie, neben aktuellen großen Produktionen immer wieder eigene Akzente zu setzen.“ Drei weitere Streifen jenseits des Mainstreams erreichten 2018 gute Plätze im Odins-Ranking. Der Bad Lippspringer Filmemacher Peter Schanz landete mit „Jäger und Gejagter: Der Wilddieb Herrmann Klostermann“ auf Platz 9. Das inzwischen im Free-TV zu sehende Drama um 1943 untergetauchte Juden „Die Unsichtbaren – Wir wollen Leben“ belegte mit nur einer Vorstellung Platz 12. Auch die Kleinproduktionen über den Genozid im Osmanischen Reich „Seyfo 1915“ (Platz 25) und über Nichtjuden im heutigen Israel „Heimat am Rande“ (Platz 30) fanden ein interessiertes und diskutierendes Publikum.
Bad Lippspringer Eigenproduktion auf Platz 9: Filmemacher Peter Schanz drehte in der Region „Jäger und Gejagter – Der Wilddieb Hermann Klostermann“
Platz 2 mit 144 Zuschauern erreichte „Bohemian Rhapsody“. Die Story um die Rockband „Queen“ und ihren charismatischen Sänger Freddie Mercury stand zum Jahreswechsel 2018/19 auf dem Programm. Auf den Plätzen 3 bis 8 folgen „Die Verlegerin“, „Wunder“, „Mama Mia – Here we go again“, „Barfuß in Paris“, „25 km/h“ und „Book Club – Das Beste kommt noch“.
Das Brautpaar Peter Kremer und Christine Gabriel besucht am 17. August nach der standesamtlichen Trauung an der Burgruine Odins Filmtheater in Bad Lippspringe . Auf dem Programm stand die Komödie: „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“ Fotos: Helge Temme/Filmverleih (1)
Odins-Filmtheater ist bekannt für sein Programm aus amüsanten Komödien und Geschichten von der großen Liebe. Aber noch nie war das ehrenamtliche Kino an der Lippequelle selbst Schauplatz einer Romanze und Bestandteil eines ganz besonderen Hochzeitsprogramms.
Das Brautpaar Peter Kremer und Christine Gabriel besuchte am 17. August nach der Trauung an der Burg mit der gesamten Hochzeitsgesellschaft die Vorführung der deutschen Komödie „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“. Corinna Harfouch, Meret Becker und Karl Kranzkowski präsentieren darin einen Herz erwärmender Mix aus „Little Miss Sunshine“ und „Die fabelhafte Welt der Amelie“.
Als Monika Stappert und Ottokar Fischer vom Odins-Vorstand die besonderen Kinogäste mit einem Glas Sekt begrüßten, war für das nicht mehr ganz so junge, aber frisch vermählte Paar der Tag perfekt. Im Hintergrund hatte der Bräutigam alle Register gezogen. Die standesamtliche Trauung fand „wegen des besonderen Flairs“ oberhalb der Lippequelle statt, das Odins wurde gewählt, weil der aktuelle Films ideal erschien und das Kino auf Fotos im Internet so „kuschelig aussieht“. Ein weiterer Bestandteil des Tages war eine ganz private Führung auf dem Flughafen Paderborn-Lippstadt.
Der Bräutigam ist gebürtiger Paderborner und lebt heute in Frankfurt. Die Braut arbeitet wie er in einer Klinik – allerdings am Bodensee. Die zwei führen seit zwölf Jahren eine Fernbeziehung, reisen viel und schätzen besondere Orte auf der Welt. Kennengelernt haben sie sich während einer Sonnenfinsternis in der Türkei. Seit dem besuchen sie jede Sonnenverdunkelung, wo auch immer auf der Erde. Verlobt haben sie sich bei einem solchen Ereignis am 17.8.2017 am Fuße des Grand Canyon in den USA. Der Hochzeitstermin folgte auf den Tag genau ein Jahr danach. Die kirchliche Trauung folgt demnächst natürlich wiederum an einem ganz besonderen Ort: im bayerischen Polling. Dort war der Vater der Braut Tierarzt, dort hat sie fast die gesamte Kindheit verbracht.
Die Antwort auf den Filmtitel „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“ hat das Paar längst zwischen Burgruine und Odins Filmtheater ausgemacht: Jeder muss die Liebe für sich selbst immer wieder neu entdecken.
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Das Brautpaar Peter Kremer und Christine Gabriel besucht am 17. August nach der standesamtlichen Trauung an der Burgruine Odins Filmtheater in Bad Lippspringe . Auf dem Programm stand die Komödie: „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“
Foto: Helge Temme
2016 war für Odins Filmtheater ein „mittelprächtiges Kinojahr“ mit 2506 Zuschauern. So lautet das Fazit der jüngsten Jahreshauptversammlung des Trägervereins. Vorsitzender Ottokar Fischer und alle fünf Vorstandsmitglieder wurden einstimmig von der Versammlung wiedergewählt. Stellvertreter Reinhard Brockmann dankte dem Vorsitzenden und Schatzmeisterin Manuela Fischer für den mit Abstand umfangreichsten Arbeitseinsatz aller Vereinsmitglieder.
„Ein ganzes halbes Jahr“ war im vergangenen Jahr der bestbesuchte Film mit vier Vorstellungen und 273 Zuschauern. Auch Platz zwei „Ich bin dann mal weg“ (266 Besucher) war die Verfilmung eines Bestsellerromans. Platz drei und vier im hausinternen Ranking belegten „Willkommen bei den Hartmanns“ und „The Revenant – Der Rückkehrer“. Neben den regulären Vorstellungen immer freitags und mittwochs gab es sieben Sonderveranstaltungen. Allein zum Warten aufs Christkind, diesmal mit Petterson und Findus, kamen 93 Zuschauer.
2015 war Odins Filmtheater nach der Umrüstung auf Digitaltechnik am 13. April wieder eröffnet worden. In den verbleibenden achteinhalb Monaten bis zum Jahresende wurden 2337 Besucher in 97 Vorstellungen gezählt. Das volle Kinojahr 2016 kam auf insgesamt 2506 Zuschauer in 111 Vorstellungen.
Für die deutschen Kinos insgesamt war 2016 kein gutes Jahr. Die Gesamtbesucherzahl von 121 Millionen lag deutlich unter dem Vorjahr mit 139 Millionen. Branchenkenner bemängeln, dass es 2016 an den ganz großen Kassenschlagern mangelte. Der beste deutsche Film, „Willkommen bei den Hartmanns“ erreichte bundesweit 3,6 Millionen Zuschauer. Zum Vergleich: „Hönig im Kopf“ wollten 2014/15 mehr als 7,2 Millionen Menschen sehen.
Bad Lippspringe. Klassische Karl-May-Filme sind wieder gefragt. Die Volkshochschule Bad Lippspringe präsentiert am Montag, 20. Februar, um 19.30 Uhr in Odins Filmtheater „Die Sklavenkarawane“. Der erste große Farbfilm nach Vorlagen des meistgelesenen deutschen Romanautors stammt aus dem Jahr 1958.
„Die Sklavenkarawane“ ist ein Abenteuerfilm, wie ihn das Nachkriegsdeutschland liebte. Er gilt als Spiegel seiner Zeit. Der VHS-Filmabend startet mit einer Einführung von Reinhard Brockmann. Neben Erläuterungen zur Entstehungsgeschichte wird im Anschluss der Aufführung eine Diskussion angeboten.
Der in Spanien gedrehte Klassiker des deutschen Films nimmt auch Handlungen aus dem Karl-May-Roman „Durch die Wüste“ auf. Viktor Staal als Kara Ben Nemsi und Schnellsprecher Georg Thomalla als dessen arabischer Weggefährte Hadschi Halef Omar sowie der Schauspieler Theo Lingen (Sir David Lindsay) sind Wegbereiter des Winnetou-Hypes seit den 1960-er Jahren. Insgesamt 17 Kinofilme überwiegend mit Pierre Brice und Lex Barker machten das Abenteuer- und Wild-West-Genre in Deutschland unsterblich.
Von Karl May sind weltweit 200 Millionen Bücher erschienen. Seit 1920 wurden 26 Kinofilme gedreht. Außerdem entstanden seit 2003 weitere 26 TV-Produktionen in Form von Actionfilmen, Dokumentationen und Comedy-Varianten Auch der Weihnachten 2016 auf RTL gestartete neue Dreiteiler „Winnetou – Der Mythos lebt“ mit Wotan Wilke Möhring war auf Anhieb ein Zuschauererfolg.
Odins Filmtheater war beim Landesfilmfestival am 12. und 13. November zunächst nur Kulisse, am Ende stand das Kino selbst als Sieger da. Den Kurzfilm mit dem Titel „Neustart“ über den Wechsel von analoger zu digitaler Technik kürte eine Fachjury zum Kandidaten für das nächste Bundesfilmfestival der Amateure.
Dann wird der Streifen unter den besten deutschen Amateurfilmen gezeigt. „Neustart“ wurde zudem mit einem regulären Zweiten Preis sowie dem Sonderpreis Bester Schnitt ausgezeichnet. Gleich vier Autoren, die auch Odins-Mitglieder sind, zeichneten für die Doku verantwortlich. Manfred Friedrich, Helge Temme, Christian Theiner und Albert Willeke starteten als „Kinoteam FC Bad Lippspringe“. Der Streifen selbst ist den Odins-Mitgliedern bekannt. „Neustart“ hatte seine Uraufführung beim Neubeginn des Kinos am 15. April 2015. Zu den Klängen von „Spiel mir das Lied vom Tod“ wird in dem für das Festival etwas modifizierten Streifen der alte, extrem schwere Filmprojektor zerlegt. Die starken Männer vom Bauhof Bad Lippspringe müssen sich erheblich mühen. Danach zieht die neue Digitaltechnik in das schon totgeglaubte Kino ein. Feuerwerksmusik begrüßt das neue cineastische Zeitalter.
Der Filmclub Bad Lippspringe war Ausrichter des zweitägigen Landesfilmfestivals mit insgesamt 24 Filmen sowie 250 Teilnehmern und Besuchern aus ganz Westfalen. Bürgermeister Andreas Bee begrüßte am Samstagmorgen die Teilnehmer zum Auftakt in Odins Filmtheater. Die vielfältige Filmkultur in der Stadt und die Arbeit der Amateurfilmer seien ein Gewinn für alle, sagte er und wünschte dem Treffen einen guten Verlauf.
Am Ende konnten gerade die Gastgeber auf eine ganze Reihe von guten Platzierungen blicken. Drei Streifen allein aus Reihen des Filmclubs Bad Lippspringe gehen demnächst beim Bundesfilmfestival der nichtprofessionellen Autoren an den Start. Den Ersten Preis und eine Nominierung für den Bundesstart sicherten sich Peter und Angela Lechtreck mit ihrem Film „Abseits“. Genau dahin gerät die junge Hauptdarstellerin – und das gleich doppelt: beim Frauenfußball und wegen der Affäre mit ihrem Lehrer. Die 14-minütige Erzählung wurde unter anderem auf dem Sportplatz der Sportfreunde Oesterholz-Kohlstädt gedreht. Die sechsköpfige Jury zeigte sich beeindruckt von den 20 Laien vor und hinter der Kamera, tollen Dialogen und dem Happy End. Allein die im Film sichtlich um Strenge bemühten Eltern kamen den Experten „etwas hölzern“ vor.
Den Sprung auf die nächste Ebene schaffte auch Manfred Friedrichs Festivalbeitrag „Die Stora Alvaret – eine ungewöhnliche Landschaft“ in Schweden. Glückwünsche gab es zudem für Nachwuchsfilmer Maik Nitschke (17) aus Bad Lippspringe. Er erhielt einen Dritten Preis für seinen genialen und extrem kurzen Filmbeitrag: „Einstein und die Fliege“. Einen Dritten Preis errang zudem die Klasse 10b der Hauptschule Niederntudorf mit ihrer Lehrerin Monika Precker. Mit Unterstützung von Manfred Friedrich drehte die Klassen den Streifen „Sinn des Lebens“.
Die heimischen Sieger beim Landesfilmfestival am Wochenende in Bad Lippspringe (von links): Maik Nitschke, Albert Willeke, Angela Lechtreck, Christian Theiner, Peter Lechtreck, Manfred Friedrich und Helge Temme.
Volles Haus in Odins Filmtheater. Die 100 Plätze im Hörsaal reichten nicht aus. Deshalb liefen die 24 Wettbewerbsfilme synchron im zweiten Saal.
Die Fachjury hatte es nicht leicht, fällte am Ende aber eine gerechtes Urteil.
Der BDFA ist der Dachverband aller organisierten nichtprofessionellen Filmautoren Deutschlands